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Aus einer Reisebeschreibung eines englischen Franziskaners aus dem 13.
Jahrhundert.

Friesland ist eine Gegend in Niederdeutschland, die an der Meeresküste gelegen sehr
langgestreckt ist an der Rheinmündung anfängt und an der Ostsee aufhört. Seine Einwohner
werden von den Deutschen Friesen genannt und unterscheiden sich in Aussehen und
Lebensweise sehr stark von den Deutschen, denn die Männer haben fast alle im Haar eine
Tonsur, da sie es für sehr ruhmreich halten, desto höher im Kreis geschert zu sein, je
vornehmer sie sind.

Es ist aber ein Stamm mit starken Kräften, schlankem Körper, strengem und wildem Sinn,
beweglichem Körper, der eiserne Speere statt Pfeile verwendet.

Es ist ein flaches Land, weide-, sumpf - und grasreich, das waldarm ist. Als Feuerung gebraucht man oft erdpechhaltige Rasenstücke (die in den Mooren gegraben werden) oder getrocknete Kuhfladen.

Der Stamm ist nach außen frei, keinem anderen Herrn unterworfen. Für die Freiheit gehen sie in den Tod und wählen lieber den Tod, als daß sie sich mit dem Joch der Knechtschaft belasten ließen. Daher haben sie die militärischen Würden abgeschafft und dulden nicht, daß einige unter ihnen sich mit einem militärischen Rang hervorheben. Sie Unterstehen jedoch Richtern, die sie jährlich aus der Mitte wählen, die das Staatswesen unter ihnen ordnen und regeln.
Sie eifern für die Keuschheit, bestrafen jede Unzucht streng und halten ihre Söhne und Töchter fast bis zum Ende der Jugend keusch, woraus sich ergibt, daß,
wenn ihnen Nachkommen zur Zeit ihrer Hochzeit gegeben sind, sie vollkommen
gesunde und kräftige Kinder bekommen.





Quellen zur Geschichte des deutschen Bauernstands im Mittelalter,
hg. von Günther Franz, Ausgewaehlte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters;
31, Darmstadt 1974
121. 1240. Der englische Franziskaner Bartholomaeus Anglicus Über die Friesen

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Letzte Änderung am Mittwoch, 4. Januar 2012 um 21:05:41 Uhr.